SEE Film Club beim Film Festival Cottbus

Das Film Festival Cottbus widmet sich nunmehr zum 26. Mal dem Filmschaffen aus dem östlichen Europa. Der SEE Film Club ist mit dabei und schaut sich eifrig durch das umfangreiche Programm.

In der Jury im Wettbewerb Spielfilm sind dabei gleich zwei wunderbare Schauspielerinnen: Absolventin der Hochschule für Schauspiel in Zagreb, Tihana Lazović, die in ZVIZDAN (lief im Hamburger B-Movie) ihren großen Durchbruch feierte und mehrfach ausgezeichent wurde und die Altmeisterin Mirjana Karanović, eine der großen SEE Schauspielerinnen, die in Cottbus auch ihre erste Regie-Arbeit DOBRA ŽENA vorstellt. Beim SEE Film Club war sie in BURE BARUTA zu sehen.

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TALES OF THE GOLDEN AGE am Di, 26.07., 20h bei (p)ostkartell

AMINTIRI DIN EPOCA DE AUR // TALES FROM THE GOLDE AGE, Rumänien, 2009, Christian Mungiu – 138min – OmENGLUT

Dienstag, 26. Juli 2016 // 20h // Ort: (p)ostkartell Büro – Kulturetage Altona, Große Bergstr. 160, 22767 Hamburg

Mit Einführung und Gespräch. Bitte bei Kulturetage klingeln.

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Von all den wahnsinnig guten Filmen aus Rumänien zeigen wir in bester Sommerlaune den TALES FROM THE GOLDEN AGE, denn so hieß in der kommunistischen Propaganda die Zeit unter Ceausescu.

Die Tücken und Absurditäten des real-existierenden sozialistischen Alltags nimmt Palme d’Or Gewinner Christian Mungiu hier mit viel schwarzem Humor auf’s Korn. Lustig und liebevoll zeigt dieser Omnibus Film die Kreativität, mit der die einfachen Menschen den Herausforderungen zwischen Regime und Tradition im Rumänien der 1980er Jahre begegnen – oder es zumindest versuchen.

KINO LIKA am Do, 23.06.2016, 21h, (p)ostkartell

KINO LIKA, Kroatien, 2008 – Dalibor Matanić – 122min – OmENGLU

Donnerstag, 23. Juni 2016 // 21h // Ort: (p)ostkartell Büro – Kulturetage Altona, Große Bergstr. 160, 22767 Hamburg

Mit Einführung und Diskussion. Bitte bei Kulturetage klingeln.

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Regisseur Dalibor Matanić ist ein alter Hase des kroatischen Kinos und hat gerade mit seinem neuesten Film THE HIGH SUN/ ZVIZDAN (zu Deutsch: MITTAGSSONNE) kräftig in Cannes abgeräumt. Das B-Movie in St. Pauli zeigt am Do, 30.06. um 20h diesen wirklich grandiosen Film über die Frage, was bleibt vom Krieg.
Grund genug, für ein „Dalibor Matanić Double-Feature“: Der SEE Film Club zeigt deshalb einen seinen kontroverseren Filme: die Komödie KINO LIKA.

Basierend auf der gleichnamigen Geschichte des von manchen als Kult-Autor gefeierten Damir Karakaš, der im Film gleich mal als Akkordeon-Spieler auftritt, begeben wir uns in das beschauliche, jedoch auch recht abgelegene Lika. Bergig und von Landwirtschaft geprägt, ticken Leben und Leute hier anders als anderswo. Ein Referendum zum EU-Beitritt sorgt für Aufregung im Dorf: Der nicht tumbe aber talentierte Fußballspieler Mike kämpft mit Schuldgefühlen und dem drohenden Verkauf an einen großen Club, die feiste Olga kämpft mit Ablehnung und Bauer Joso mit seinem Stolz und Wasserknappheit.

Dalibor Matanić beweist sich besonders in seinen Dramen als kritischer Beobachter der Gesellschaft und legt zielsicher den Finger in die Wunde. So bescherte er bereits 2002 mit FINE DEAD GIRLS / FINE MRTVE DJEVOJKE den ersten kroatischen Film, in dem ein lesbischen Pärchen die Hauptrolle spielt (anhand des Titels darf man raten, wie das ausgeht), und in dem berührenden MOTHER OF ASPHALT / MAJKA ASFALTA sucht eine junge Mutter verzweifelt Obdach für sich und ihren kleinen Sohn. In seinen Komödien neigt er zu Klamauk mit Tiefgang.

BURE BARUTA / CABARET BALKAN, Mi 25.05., 20h, (p)ostkartell

 

BURE BARUTA // CABARET BALKAN, Jugoslawien/Frankreich, 1998 – Goran Paskaljević – 102min – OmENGLUT

Mittwoch, 25.05. // 20h // Ort: (p)ostkartell Büro – Kulturetage Altona, Große Bergstr. 160, 22767 Hamburg (Bitte bei Kulturetage klingeln.)

Gewalt liegt in der Luft in einer Februarnacht in Belgrad Ende der 90er Jahre. Der Bosnienkrieg ist beendet worden, der Kosovo-Krieg und die NATO Bombardierung stehen kurz bevor. Goran Paskaljević, Altmeister des (post)-jugoslawischen Kinos, zeigt uns die absurde und grenzenlose Brutalität in einem Moment, in dem sich die gesellschaftlichen Grenzen auflösen und plötzlich alles möglich ist. Absurd, überdreht, hält der Regisseur auch dem Westen den Spiegel vor.

 

Wir tauchen ein in ein Netz aus Balkan-Clichées und zwischenmenschlichen Beziehungen: Zwei Freunde beim Boxtraining gestehen sich nach und nach den Verrat am jeweils anderen. Ein rekonvaleszenter Polizist trifft in einer Bar auf seinen Peiniger. Beim Warten auf den kaffeetrinkenden Busfahrer entführt ein junger Mann kurzerhand den Bus zum Entsetzen der Fahrgäste. Schnell ist klar: Niemand ist unschuldig, doch Moral und Verhältnismäßigkeit sind ausgesetzt, Sicherheit gibt es nicht mehr.

Als Absolvent der Prager Filmschule begann Paskaljević in den 1970er Jahren mit ersten Kurzfilmen und avancierte bald zu einem international gefeierten Star. Die Zeit des Milošević-Regimes verbrachte er als ausgesprochener Kritiker im Exil. Wie zuvor schon das New Yorker MOMA widmet ihm dieses Jahr auch das Film Archiv Austria eine umfassende Retrospektive.

 

 

 

 

 

 

NO MAN’S LAND am 13.04.2016, 19.30h, (p)ostkartell Büro, Kulturetage Altona

NIČIJA ZEMLJA // NO MAN’S LAND, Bosnien Hercegovina, 2001 – Danis Tanović – 98min – OmENGLU

Mittwoch, 13. April 2016 //  19.30h // Ort: (p)ostkartell Büro – Kulturetage Altona, Große Bergstr. 160, 22767 Hamburg

Bitte bei Kulturetage klingeln.

Mit Einführung und Diskussion

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Danis Tanović’s NIČIJA ZEMLJA // NO MAN’S LAND erschien 2001 und gewann im Rennen um den Oscar für besten fremdsprachigen Film sogar gegen den Publikumsliebling AMELIE aus Frankreich. Tanović schrieb nicht nur das Buch und führte Regie, sondern komponierte auch die Musik zum Film. Darüber hinaus schaffte er es, Produzenten aus Bosnien, Frankreich, Italien, Belgien, Slowenien und Euroimages Förderung an Land zu ziehen – eine beachtliche Leistung für einen Debut-Spielfilm. Zugute kamen ihm hier die Erfahrungen als Verantwortlicher des Film-Archivs der Bosnischen Armee.

Worum geht`s?

In einem Schützengraben zwischen den Fronten des Bosnienkriegs irgendwann in den 1990ern treffen sich Čiki und Nino, jeweils Kämpfer der anderen Seite. Während sie versuchen, ihren lokalen Konflikt unter einander auszuhandeln und sogar Gemeinsamkeiten entdecken, bekommen die UN und die internationalen Medien Wind von der Situation. Ihr Versuch zu intervenieren lässt die ohnehin absurde Situation nur weiter eskalieren.

Tanović zeigt gekonnt die Absurdität und die schmerzhafte Ausweglosigkeit des Konflikts, und auch der trockene Humor bietet keine komische Auflösung sondern die alles unterliegende Ironie ist der verzweifelte Versuch, mit einer unerträglichen Situation umzugehen.

 

Quellen / further reading

Daniel J. Goulding: „Liberated Cinema: The Yugoslav Experience, 1945-2001“

Amy Corbin: „No Man’s Land“, Film Quarterly Autumn 2006

CINEMA KOMUNISTO beim dokART, Mi 16.03.2016, Metropolis, 21.15h

cop2dokART bringt uns ein besonderes Schmankerl der Südosteuropäischen Filmkultur: Die 2010er Doku CINEMA KOMUNISTO erzählt liebevoll die Geschichte der staatlich geförderten Filmproduktion in Titos Jugoslawien. In den goldenen Zeiten als amerikanische Filmstars auf den Brioni Inseln flanierten und Generationen junger Männer ihren Wehrdienst am Set von Partisanenfilmen verbrachten, florierte die jugoslawische Filmindustrie.

Selbst Hollywood produzierte in den immensen Studios in Belgrad, die mittlerweile brach liegen und dem Verfall preisgegeben sind. Regisseurin Mila Turajlić mischt seltenes Archivmaterial mit Zeitzeugen-Interviews: So plaudert neben Titos persönlichem Filmvorführer auch Filmlegende Bata Zivojinović* aus dem Nähkästchen.

CINEMA KOMUNISTO, Serbia, 2011 – Mila Turajlić – 100 Min. – OmU

Mittwoch,  16.03.2016   //   21:15 Uhr //   Metropolis Kino Hamburg, Kleine Theaterstr. 10

 

* Bata (Velimir) Zivojinović,  geb.1933 in Serbien (Königreiche Jugoslawien) war ein Schauspieler bekannt vor allem aus den Propaganda- und Partisanenfilmen der 1970er Jahre. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Kultfilm WALTER BRANI SARAJEVO // Walter DEFENDS SARAJEVO, der auch in China überaus populär war und ihm dort viele Fans einbrachte. In den 1990ern brach er öffentlich mit seinem engen Freund, dem kroatischen Schauspieler Boris Dvornik  und wurde für Slobodan Milošević’s Socijalistička partija Srbije ins serbische Parlament gewählt. Dvornik und Zivojinović versöhnten sich – öffentlich – im Jahre 2004.

CHUCK NORRIS vs. COMMUNISM – Film Screening at Lichtmess Kino, 18.02., 20h

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American action heroes pair well with (now post-) socialist countries and their revolutionaries, but while you have to travel to Mostar, Bosnia, to find a Bruce Lee statue, a filmographic tribute to Chuck Norris’ role in the Romanian revolution that brought down the Ceausescu regime is delivered right to your doorstep here in Hamburg!

Thursday, February 2      //    20h   //    Lichtmess Kino, Gaußstr. 25, HH-Ottensen

Lichtmeß Kino is showing “CHUCK NORRIS VS. COMMUNISM” after it made the festival circuit last year. Premiered at Sundance, London-based  film maker Ilinca Calugareanu portrays how in the 1980s pirate copy VHS made their way into Romania, sealed-off behind the Iron Curtain,  under the eyes (and with the tacit support) of the corrupt nomenclatura. A black market video dealer and a translator who became the voice of the West dubbing almost all the films are the stars of this lovingly made documentary. But beware, the film maker has a degree in Anthropology, so she knows what she is talking about, yet the Sundance Review attests a certain repetitiveness.

But hey, can you ever get enough of Chuck Norris?

 

 

 

“WUNDBRAND – SARAJEVO, 17 DAYS IN AUGUST” plays Wednesday, February 2nd at Metropolis Kino, Hamburg

Metropolis Kino, one of the best art house cinemas in Hamburg, shows the 1994 documentary about the besieged city this Wednesday, February 2nd with the film maker in attendance!

about the film:

“This German documentary examines life in besieged Sarajevo. Included are interviews with young soldiers who share their feelings about killing, and being killed. One tells of his feelings regarding his accidental shooting of an old woman. Another tells of his life as an aspiring comedian before the conflict. The film might have been more detailed had not the risk in filming it been so great. The filmmakers felt lucky to escape the area with their lives. ~ Sandra Brennan, Rovi” (source)

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Festival Spotlight: Trieste Film Festival, January 22-26 2016

As most films from South Eastern Europe are rather small productions with a limited reach, film festivals play an important role in their marketing and further distribution. They serve as a hub for film professionals to meet and mingle and find collaborators and inspiration. Many professional festivals now offer so-called industry events that attract directors, producers, distributors but also actors of course.

Film festivals are also the place to see the newest films before their theatrical release, i.e. if they manage to find a distributor. With many films we are dealing with here on SEE Film Club, festivals and special screenings are the only way to see these films on a big screen or see them at all. Whereas there is an abundance of film festivals in general, there are only a few dedicated to Eastern European film – reason enough to give an overview about the most important ones world wide. Welcome to the Film Festival Spotlight!

TFF_2016We start our series with the Trieste Film Festival, one that holds a very special place in my heart. The city of Trieste is magnificent in her own right, with a tormented history. As the Eastern most outpost of Italy, the city was also the nearest Western city Yugoslavs could reach, therefore many have recollections of buying jeans at the infamous market, the only place to get them. The city developed as the imperial port of Austria during the times of the Austro Hungarian Empire, but it was allocated to Italy after the Word War II and subsequently italianized, even thought the surroundings are still very much Slovene and the border is just up the hill not even a 20min drive from the city centre, and an hours’ drive gets you into the Croatian peninsula of Istria.

With the dissolution of Yugoslavia, Trieste gradually emerged from it’s marginal position and is now a bustling regional centre boasting grand palazzi with a certain patina that give the city a somewhat melancholic atmosphere. The Film Festival played a vital role in this development: Founded in 1998, it strove to shed a light on the neighbours that were so close yet seemed so distant.

The Trieste Film Festival is held every third week in January, which is why it is the first festival featured here. The festival programme shows films from all over Eastern Europe, that compete for best feature, best documentary and best short film. Additionally, there are retrospectives or countries in focus, for example the new Romanian cinema this year.

Two events set Trieste apart from the usual film screening festivals: The week-long industry event “When East meets West” aims to connect up-and-coming filmmakers from the region with producers and funders from usually one Western European country or region. Now in its 5th year, filmmakers can apply with their idea, receive a master class and then pitch their project to selected funders. In 2016, the region in focus is Spain, Portugal and Latin America. Films that started out here now return to the festival in the category “Born in Trieste”. The other event, Eastweek, is a script writing workshop with benefits (such as Master classes, workshops in marketing and general tutoring) aimed at young talents and is organized in cooperation with film schools from central and Eastern Europe.

As many cultural institutions in Italy, the Trieste Film Festival has been affected by severe cut backs in funding for the arts in Italy and nowadays promotes also Italian films and includes them in the industry events previously reserved to filmmakers from Eastern Europe. In early 2016, the long-standing festival directrice and founder Annamaria Percavassi passed away. With many challenges ahead, you cans till feel that the festival staff put their heart into it and as it is a rather small festival, it makes for great networking. And Trieste is especially beautiful in the cold winter wind and the pale sunlight. trieste2-fb748317bf3ec20e5865b7d021b4d8671

 

 

FEHER ISTEN // White God screening at 14 Pews – July 31, 7pm

A central European city under a blue sky, yet the streets strangely deserted. A girl on a bicycle appears and then, they appear from behind a corner: a pack of dogs, running in full speed after the girl.

A horror movie? This most remarkable scene from FEHER ISTEN / White dog, sets the stage for this nightmarish tale between a superior species and its disgraced inferior. Premiered and won Cannes Film festival 2015, the Hungarian production by director Kornél Mundruczó stars real dogs.

Shows this Friday at 14 Pews, 800 Aurora St

At 7pm

In cooperation with animal adoption organization Friends for Life.